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Kindergarten Niederbahn Dornbirn

Bauherr
Stadt Dornbirn
Ort
Dornbirn | AT
Typologie
Kindergarten
Freiraumplanung

Land Rise Landschaftsplanung

Fertigstellung
2023
Fotografie
Adolf Bereuter

Im Ortsgebiet Niederbahn der Stadt Dornbirn wurde ein Naturkindergarten in Form eines eingeschossigen Pavillons in Holzbauweise errichtet. Das pädagogische Konzept sieht vor, dass die Kinder möglichst viel Zeit draußen verbringen. Aufgrund dieser Regelung, konnten 60 Prozent der Fläche gegenüber einem herkömmlichen Kindergarten eingespart werden. Aufbauend auf diesem Konzept wurde der Kindergarten mit einer umlaufenden, überdachten Zone angelegt, über die jede Gruppe autark von außen erschlossen wird. Im Inneren sind alle vier Kindergartengruppen um den zentralen Multifunktionsraum herum angelegt. Die klare Konstruktion in einem 2,5 m x 2,5 m Raster schafft die Grundlage für eine materialsparende Holzkonstruktion, bei der Vollholzquerschnitte einschließlich der Seitenware verwendet werden, um damit die Materialausbeute pro Baumstamm auf ein Maximum zu erhöhen. Generell wurde ein hoher Anspruch an die Nachhaltigkeit des Gebäudes gesetzt. Holz aus dem städtischen Forst, nicht verklebte, sortenreine und dadurch kreislauffähige Konstruktionsdetails sowie ausschließlich schadstofffreie Produkte, sorgen für ein nachhaltiges, emissionsarmes und gesundes Gebäude. Umlaufende, an der Decke angebrachte, offene Versorgungskanäle ermöglichen eine einfache Wartung der verbauten, ebenfalls sichtbaren, Haustechnik.

Der Kindergarten Niederbahn bildet mit den Kindergärten Hatlerstraße, Mittelfeld und Wallenmahd den Cluster Hatlerstraße. Zuvor war ein Bestandsbau aus den ehemaligen ‚Baracken‘ des Krankenhauses Dornbirn an gleicher Stelle verortet. Dieser Bau hat den Bedarf des Siedlungsgebietes bestehend aus Ein- und Mehrfamilienhausbebauung nicht mehr gedeckt. Das Konzept Natur-/ Aktivkindergarten gliedert sich optimal in das Umfeld des Hermann- Gmeiner- Parks ein und wurde deshalb auch beim Neubau realisiert. Die Eingliederung in den Hermann-Gmeiner-Park, also in eine ganzjährig öffentliche Parkanlage, stärkt und transferiert im täglichen Betrieb die sozialen Gefüge. Durch Gestaltung der Vorplatzflächen und Sitzstufen als öffentlicher Raum, gewinnt der Ort Bedeutung als sozialer Begegnungsraum. Nahezu der gesamte Außenraum einschließlich aller Spieleinrichtungen stehen dem öffentlichen Raum jederzeit zur Verfügung. Der Kindergarten Niederbahn kann somit als Bindeglied zwischen dem privaten, dem halböffentlichen und dem öffentlichen Raum verstanden werden.

Die Haustechnik des Kindergartens sollte einem einfachen, schlüssigen Prinzip unterliegen und das Gebäude nur an den Stellen technisch und klimatisch unterstützen, wo es zwingend notwendig ist. Eine Reduktion der Haustechnik auf das Minimum wurde deshalb angestrebt. Besonderes Augenmerk wurde auch auf die Wartungsfreundlichkeit gelegt, weshalb viele der Installationen Aufputz und somit sichtbar installiert sind. Die Wärme- und Kälteabgabe erfolgt über ein Niedertemperatur-Heiz/Kühldeckensystem welches mittels einer Luft-Wärmepumpe betrieben wird.

Da beim Entwurf des Kindergartens schon großer Wert auf die Ausschöpfung ökologischer Potentiale gelegt wurde, konnten viele Details dementsprechend realisiert werden. Dabei steht allem Voran die Nutzung von heimischem Holz in allen Bereichen wie Konstruktion, Beplankungen und Einbauten. Es kamen fast ausschließlich vorelementierte Holzbauelemente aus Vollholzquerschnitten zum Einsatz. Aufgrund dieser Konstruktionsmethode konnte die gesamte Bauzeit auf fünf Monate reduziert werden. Alle konstruktiven Verbindungen sind unverklebt und somit zerlegbar. Auch der vorherige Bestandsbau konnte zum Teil wiederverwendet werden. Die rund 30 Jahre alte Stahlbeton-Bodenplatte konnte als Punktfundierung für die umlaufende Veranda einen neuen Nutzen finden. Des Weiteren wurde beim Einsatz sämtlicher Metalle auf eine zusätzliche Beschichtung verzichtet. Die offene Leitungsführung für die Ringleitungen von Elektro, Heizung und Sanitär sind einerseits im Betrieb für eine eventuelle Wartung leicht zugänglich und ermöglichen zudem einen einfachen Rückbau.

Im gesamten Gebäude wurde schon beim Planungsprozesse der Diskurs über konstruktive Lösung im Vorrang zu Technischen geführt. Umgesetzt werden konnten diese Gedanken mithilfe der Architektur und der Gebäudetechnik. So wurden konstruktive Maßnahmen für die Sommertauglichkeit getroffen, wie zum Beispiel der breite Dachvorsprung als Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und die erhöhte Laterne im Inneren der Mehrzweckzone, welche zusammen mit den Lüftungsflügeln der Fenster einen entscheidenden Beitrag zur Nachtauskühlung durch den natürlichen Kamineffekt liefern kann. Die Lage des Grundstücks und Ausrichtung des trägt durch Baumbestand ebenfalls zu einer natürlichen Verschattung der Fensterflächen bei. Die Realisierung des Naturkindergartens Niederbahn hat aufgezeigt, dass ein alternatives Raumkonzept zusammen mit hohen ökologischen Zielvorgaben und hoher Zeitpräferenz in der Umsetzung mit einem elementierten Holzbau möglich ist.

Schwarzplan
Lageplan
Grundriss
Schnitt

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